Am Mittwoch hat sich der Haupt- und Finanzausschuss getroffen, hier wurde – auf Antrag der Grünen – zur aktuellen Finanzsituation berichtet. Vorausgegangen war meine Information, dass in Langerwehe für die nächsten Jahre ein 8 Millionen Euro-Defizit zu erwarten ist, ich hatte hier berichtet. Soweit möchte ich mich hier nicht in Details verlieren, meine ersten Informationen scheinen weiterhin zutreffend zu sein. Als Ergänzung dazu sind momentan zwei Dinge festzustellen:
- Das Defizit für das Jahr 2009 (also die Differenz zwischen Einnahmen und Aufwendungen) liegt am Ende bei gut 4 Millionen Euro
- Die Gewerbesteuereinnahmen werden wohl von 3 Millionen auf gut 1 Million Euro einbrechen
Was mich dabei schon ärgert und von mir bewusst im Ausschuss nicht angesprochen wurde (weil persönlicher Ärger nichts in einem Organ zu suchen hat, in dem es um die Interessen der Gemeinden geht) ist die Tatsache, dass ich im letzten Jahr sehr aktiv, wenn nicht gar aggressiv, das Thema forciert hatte. So hatte ich schon im Mai 2009 prognostiziert, dass vor allem die Gewerbesteuer wegbrechen wird, was zu einer Anfrage der Grünen geführt hat. Erwartungsgemäß wurde eher beschwichtigend, wenn auch nicht verharmlosend, auf die Anfrage geantwortet.
Heute findet man auch in der AZ übrigens einen Bericht zur Sitzung, in der ich namentlich erwähnt werde:
Ähnlich sahen es die Sprecher der übrigen Fraktionen, die einen Vorschlag von Jens Ferner (Grüne) unterstützten, einen Arbeitskreis zu gründen, um vielleicht die Gemeindefinanzen einmal völlig neu zu regeln.
“Völlig neu zu regeln” klingt natürlich gefährlich, hier kurz daher was mir vorschwebt: Es ist normal und auch gut, dass immer dann, wenn Gemeindefinanzen wegbrechen, jemand vorschlägt einen Arbeitskreis einzurichten, in dem man sich unterhält, wo man Geld sparen kann. Das habe ich direkt angesprochen, habe aber auch betont, dass ich glaube, dass wir in Langerwehe am Ende der Fahnenstange angekommen sind: Hier wurde gestrichen was geht und wir müssen 4-6 Millionen Euro im Jahr mehr einnehmen, um den Haushalt zu konsolidieren – bei Gesamteinnahmen von ca. 22 Millionen Euro pro Jahr. Es liegt auf der Hand, dass das nicht möglich sein wird.
Und bevor wir jetzt anfangen, die letzten 1000 Euro Zuschuss an den Verein XY zusammen zu streichen, um ein paar Tausend Euro einzusparen (und damit unser Gemeinleben schädigen), war mein Vorschlag, einen Arbeitskreis zur strukturellen Entwicklung einzurichten: Das Ziel soll es nicht mehr sein, mit einem Arbeitskreis einfach nur zu sparen, sondern sich lieber darum zu kümmern, wo wir gezielte Strukturförderung (zur Einnahmenerhöhung) mit dem wenigen Geld umsetzen können, das uns in den nächsten Jahren zur Verfügung steht. Das Motto lautet: Strukturelle Entwicklung anstatt “Kaputtsparen”.
Inhaltlich sehe ich es aber wie der Bürgermeister, der im Ausschuss zu Recht darauf verwiesen hat, dass das derzeitige Modell der kommunalen Finanzierung gescheitert ist: Ich habe meine Meinung deutlich vertreten, dass das derzeitige Modell nicht mehr zukufntsfähig ist und die Gemeinden landesweit in den Ruin treibt. Leider aber sind wir als Gemeinde nicht wirklich in der Position, dieses Modell ändern zu können – die Politiker auf Landesebene sind hier an erster Stelle gefordert.
Was die aktuellen Entwicklungen für Langerwehe bedeuten bzw. bedeuten können, werde ich später ausführlicher darstellen.