Im Haupt- und Finanzausschuss am 24.3.2010 wurde beraten, ob ein Ratsinformationssystem in Langerwehe angeschafft werden soll. Zusammengefasst würde dies bedeuten, dass die Unterlagen für Sitzungen von Rat und Ausschüssen über die Webseite der Gemeinde vollständig (nicht wie bisher nur die Einladungen mit Tagesordnungspunkten) zur Verfügung stehen. Der Vorteil liegt dann (erstmal) in der umfassenden und unmittelbaren Information aller Bürger über laufende Tätigkeiten. Keinesfalls würde es zunächst zu Papier-Einsparungen führen, da weiterhin gedruckte Unterlagen an die Ratsmitglieder verschickt werden.
Bei der Frage, ob man dieses System möchte, muss man zukunftsorientiert denken: Neben dem unmittelbar vorhandenen Informationsvorteil geht es mittelfristig auch um Image-Fragen der Gemeinde (die meisten Städte und Gemeinden im Umland rüsten bereits um). Langfristig wird dann auch eine Papier-Einsparung dazu kommen, da mit der Verbreitung moderner Lesegeräte (ich denke an zukünftige eBook-Reader mit flexiblen Bildschirmen und Lösungen ähnlich dem iPad) der Bedarf tatsächlich sinken wird.
Ich selbst bin für diese Lösung und habe, trotz der Kosten, auch dafür gestimmt. Die ersten Gründe liest man oben. Dazu kommt aber ein gesellschaftspolitischer Grund: Ich habe die – mitunter naive – Hoffnung, dass die Menschen das Informationspotential auch nutzen werden, somit die öffentliche Meinung nicht mehr primär von der Stimmungsmache in der Presse abhängig ist. Meine Hoffnung ist, dass gerade lokale Politik in naher Zukunft im Bereich der Berichterstattung von “Primärquellen” also unmittelbaren Berichten der Betroffenen (wie von mir hier im Blog) und ungefilterten Informationen aus den Gremien bestimmt wird.
Zu den Kosten: Es ist im ersten Jahr mit 8600 Euro Kosten zu rechnen, danach ca. 4300 Euro pro Jahr durch die Installation des Systems. Ich finde diese Kosten aus zwei Gründen vertretbar: Zum einen fallen Sie bei Einnahmen von gut 20 Millionen Euro pro Jahr nicht wirklich ins Gewicht. Darüber hinaus ist festzustellen, dass die Gemeinde schon für über 10.000 Euro pro Jahr alleine telefoniert (ich hatte hier berichtet). In Relation zu den Einnahmen und sonstigen vergleichbaren Kosten sehe ich daher kein Problem.
Im Fazit kam ich mit diesen Überlegungen zum Ergebnis, für die Maßnahme zu stimmen, so wie die Mehrheit: Bei nur zwei Gegenstimmen votierte der Haupt- und Finanzausschuss für das Ratsinformationssystem. Beschlossen ist es damit noch nicht: Der Rat muss es nun absegnen, dazu kommt die Frage, ob es im Rahmen des angekündigten Haushaltssicherungskonzepts überhaupt noch umzusetzen sein wird.
Das Ratsinformationssystem ist schon länger Thema: Zuletzt war es am 17.12.2009 im Rat, wurde dort aber in den Ausschuss verschoben – gleichwohl hatte die CDU wohl schon vorher die Einrichtung gefeiert. Ich denke, gerade mit Blick aufs HSK, wird das Thema auch weiterhin akut bleiben. In der nächsten Sitzung des Rates steht es jedenfalls nicht auf der Tagesordnung.