Aktuell tourt Rechtsanwalt Höcker mit seiner Sendung “Einspruch – Die Show der Rechtsirrtümer” bei RTL. Ich muss gestehen, die Sendung nie gesehen zu haben, hin und wieder erhasche ich aber einen Blick auf die Vorschau zur jeweiligen Ausstrahlung. Da die Vorschau logischerweise gekürzt ist, kann hier schnell ein falscher Eindruck entstehen, ich hatte das schon einmal aufgegriffen. Aktuell gibt es nun wieder etwas, das mich wundert: Da fragt die Moderatorin “Darf ein Mann auf einem Frauenparkplatz parken” und Höcker antwortet eindeutig und kurz: “Nein, darf er nicht”. Rein juristisch betrachtet wundert mich das – ohne in die Tiefe zu gehen, verweise ich schlicht auf Wikipedia und verweise darauf, dass das, was dort an juristischer Einschätzung steht, auch meinem Wissensstand entspricht. M.E. wäre also nicht “Nein” die richtige Antwort, sondern “Kommt drauf an”.
Mir geht es hier jetzt nicht um pseudo-Geschlechter-Diskussionen. Ich habe mit “Frauenparkplätzen” keinerlei Probleme, respektiere sie und finde die Diskussionen dazu im Regelfall vollkommen überflüssig, da ich mich in einem Parkhaus nicht darum streite, ob ich auf Parkdeck 1 oder 5 stehe. Zumal die meisten Parkhäuser inzwischen komplett mit Aufzügen erschlossen sind, selbst wer als Mann Lauffaul ist, hat nicht mehr Energieeinsatz, nur weil er ein bisschen weiter von der Einfahrt weg parkt. Da mich aber Höckers Antwort verwundert hat, habe ich bei Twitter nachgefragt – und bekam zum Frotzeln das hier:
ey – willst Du Dein Auto da hinstellen, wo sonst nur Frauen parken? #selbstgefaehrdung
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Bei der Gelegenheit fällt mir eine alte Geschichte ein, passiert muss es so Anfang/Mitte 2006 sein. Damals war meine erste Tochter etwa ein halbes Jahr alt und ich bin in das unterirdische Parkhaus am Aachener Bushof gefahren. Das Problem war hier aber, dass es in diesem Parkhaus keinen Aufzug gab, nur (enge) Treppen. Wenn ich mit Kinderwagen und Kleinkind das Parkhaus verlassen wollte, musste ich entweder alles die Treppen hochtragen oder die verschiedenen “Rampen” mit dem Kinderwagen fahren, die sonst die Autos nutzen. Das Parkhaus ist im übrigen recht klein und teilweise sehr schlecht einsehbar. Die Frauenparkplätze befinden sich direkt am Anfang, ein dortiges Parken ermöglichte ein Verlassen des Parkhauses auf sicherem Weg, zumal die (schon tiefer gelegene) Einfahrt mit einem speziellen Weg für Fußgänger versehen war.
Ich tat somit das undenkbare: Ich parkte (mit meiner ca. 6 Monate alten Tochter) auf einem Frauenparkplatz. Das sahen auch prompt zwei vorbeifahrende Damen (in einem Auto, keine zwei Autos), die die Gelegenheit nutzten, um erst zu hupen (meine Tochter hatte es gedankt, der Lärm ist in einem Parkhaus unerträglich) und mir dann mit heruntergekurbeltem Fenster zu erklären, was ich für ein “Chauvi” sei, dass ich es schuld bin wenn einer Frau etwas passiert. Mein Hilfloser Verweis auf das Kleinkind führte dazu, dass ich mir anhören durfte, dass Männer ja zu keiner Ausrede mehr zu peinlich sind und ich durfte noch den “Arschloch-Titel” einkassieren. Die Damen traf ich (natürlich, es ist ja vorhersehbar…) danach bei der Parkhaus-Aufsicht, die den beiden noch höflich versuchte zu erklären, dass sie ja wohl einen gelinden Knall hätten und es ausdrücklich erwünscht sei, dass Eltern gleich welchen Geschlechts (auf Grund der besonderen Parksituation) die Parkplätze mit in Anspruch nehmen. Nun, viel geholfen hat es in Sachen Einsicht bei den beiden (damals) nicht.
Das ist eine kleine Anekdote, die mir zum Thema immer wieder einfällt. Ich will sie nicht (zumal sicherlich/hoffentlich eine Ausnahmesituation) als Argument gegen “Frauenparkplätze” verstanden wissen – aber als Erlebnis, das zeigt, wie wichtig Toleranz und Mitdenken in jeder Lebenssituation ist.


