In vollkommener Verkennung sämtlicher demokratischer Prinzipien verkündet unser CDU-Landrat auf seiner Webseite in einem aktuellen Aufruf:
Das sind rund 375 Millionen wahlberechtigte EU-Bürgerinnen und Bürger, die in einer allgemeinen, freien, direkten und geheimen Wahl eine parlamentarische Vertretung wählen.
Ja, ist das so? Zählen wir mal durch: Da stehen vier Grundsätze, nämlich allgemein, frei, direkt und geheim. Fehlt da nicht was? Ich vergleiche mal kurz mit dem Art. 38 GG:
Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages werden in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl gewählt.
Da fehlt tatsächlich was, das “gleich”. Wenn man sich mit der so genannten degressiven Proportionalität beschäftigt, kommen auch in der Tat Zweifel auf, wie gleich die Wahl zum Europäischen Parlament wirklich ist, denn Fakt ist, dass je nach Landesgröße in Europa mal erheblich mehr und mal erheblich weniger Stimmen auf einen Sitz entfallen:
So entfielen bei den Europawahlen 2004 auf Deutschland (82,5 Mio. Einwohner) 99 Sitze, d.h. ein Sitz auf 833.000 Einwohner, auf Malta (0,4 Mio. Einwohner) 5 Sitze, d.h. ein Sitz auf 80.000 Einwohner. Im Durchschnitt kam europaweit ein Sitz auf je rund 615.000 Einwohner.
Ob unser Landrat nun einen wesentlichen Grundsatz demokratischer Wahlen für sich über Bord geworfen hat oder einfach ehrlich die (ungleichen) Wahlen zum Europäischen Parlament beschreibt (was für mich recht ungewöhnlich wäre, da das Thema sonst nicht offen angesprochen wird), bleibt am Ende sein Geheimnis.
Vorher im Blog zum Landrat des Kreis Düren:
